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Bleaching: Vor- und Nachteile aus der Sicht von Zahnärzten

Bleaching: Vor- und Nachteile aus der Sicht von Zahnärzten

Quelle: Auszug aus der deutschen Apotheker-Zeitung Ausgabe Nr. 35

Die Auswahl an Zahnbleaching-Produkten ist mittlerweile groß und wächst immer rasanter. Ist das wirklich nur Marketing oder steckt weitaus mehr dahinter? Alle Produkte versprechen das gleiche: schnell und einfach ein strahlend weißes Lächeln ohne Probleme und das am besten ganz bequem vom Smartphone aus.

Doch was ist davon zu halten? Sind die Mittel wirklich unbedenklich für die Gesundheit? Wir sprachen mit einem Zahnarzt und Experten auf diesem Gebiet über die möglichen Gefahren von Zahnbleaching.

Wir haben dazu den niedergelassenen Arzt Dr. Schneider dazu befragt.

Was passiert überhaupt beim Bleichen von Zähnen oder dem sogenannten Zahnbleaching?

Dr. Schneider: Es handelt sich um einen chemischen Prozess. Ein Bleichmittel wird auf die Zahnoberfläche gebracht. Dabei durchdringen in der Regel Peroxide mit niedrigem Molekulargewicht, oft Wasserstoffperoxid, den Zahnschmelz und das Dentin. Freiwerdende Radikale oxidieren dabei die verfärbten Moleküle zu farblosen Molekülen. Die Folge ist der erwünschte Aufhellungseffekt der Zähne.

Wann macht Zahnbleaching überhaupt Sinn?

Dr. Schneider: Bleaching ist eine Modeerscheinung unserer Zeit. Makellose, blendend weiße Zähne stehen für Schönheit, Erfolg und einen gesunden Körper. Das künstliche Aufhellen der Zähne kann jenseits reiner Kosmetik auch dabei helfen, Zahnverfärbungen zu beseitigen oder zu mindern, die von endogener Natur sind. Mitunter werden durch Hyperfluorosen Flecke auf den Zähnen hervorgerufen – oder auch durch lokale Demineralisations- oder Remineralisations-Prozesse. Kronen oder Verblendungen, so genannte Veneers, können einem Patienten manchmal durch das Bleaching erspart bleiben."

Welche Bleachingmethode ist die Beste?

Dr. Schneider: Beim Zähnbleichen gilt inzwischen: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Das Prinzip des Bleichens ist wie oben beschrieben stets das Gleiche, eben durch die Wirkung von Peroxiden. Grundsätzlich gibt es aber die Unterscheidung von Home-Bleaching, bei dem der Patient selber zuhause tätig wird, und den Chairside-Methoden, die vom Zahnarzt in der Praxis durchgeführt werden. Die einfachsten und auch preiswertesten Varianten sind die in den Apotheken und Drogerien erhältlichen Lacke oder Folien zur Hausanwendung mit niedrig konzentrierten Peroxiden. Diese Produkte sind zum Ausprobieren ganz gut geeignet, haben aber aus zahnärztlicher Sicht einige Nachteile."

Was zum Beispiel?

Dr. Schneider: Die Folien sind mitunter zu kurz, reichen nur für die Frontzähne und passen sich schlecht den anatomischen Formungen der Zähne an, und Zahnzwischenräume werden oft nicht erreicht. Auch ist der Schutz des Zahnfleisches oft nicht optimal gewährleistet. Einige Bleaching-Gele werden ausschließlich über Zahnarzt-Praxen vertrieben. Häufig benötigt man für diese Gele eine individuell angefertigte Schiene. Das ist teurer als die einfachen Hausmethoden – aber bei einer entsprechend sorgfältigen Fertigung der Schiene wird das Zahnfleisch geschont, und es findet eine gleichmäßige Aufhellung statt. Eine höhere Konzentration in den Bleaching-Gelen und mögliche längere Tragezeiten beschleunigen den Aufhellungseffekt.

Wenn Zahnärzte Bleaching anbieten, wie geht das vonstatten?

Dr. Schneider: Aus meiner Sicht ist das die wohl effizienteste, aber zugleich auch kostenintensivste Methode. In der Zahnarztpraxis wird mit sehr hochkonzentrierten Materialien gearbeitet. Der Aufhellungseffekt tritt sofort ein, und der Patient verlässt nach etwa einer Stunde mit einem strahlend hellen Lächeln die Praxis. Bei dieser Behandlung zahlt der Patient neben der Arbeitsleistung des Zahnarztes auch die Materialien selbst.

Was kostet dann so etwas?

Dr. Schneider: Bleaching-Strips und entsprechende Lacke aus dem Handel, zum Beispiel auch aus der Apotheke, beginnen bei etwa 30 Euro, können aber auch 60 Euro oder etwas mehr kosten. Eine Behandlung mit individuellen Schienen für beide Kiefer kostet dann schon von rund 400 Euro aufwärts. Die Preise für eine Chairside-Behandlung liegen je nach Material, benötigter Zeit und der Region zwischen etwa 250 und 600 Euro oder mitunter auch mehr.

Mein dringender Rat: Unabhängig von der Bleichmethode sollte vor jeder Behandlung eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt werden, dadurch entstehen zwar weitere Kosten, die jedoch für ein gutes Ergebnis unabdingbar sind.

Was sollten sich Patienten vor dem Bleaching genau klarmachen?

Dr. Schneider: Es ist so, dass Zahnfüllungen und Zahnersatz ihre Farbe während des Bleichens nicht verändern! Das kann zu unschönen und überhaupt nicht beabsichtigten Farbeffekten führen. Der Austausch von Füllungen oder Zahnkronen mit veränderten, angepassten Farben ist prinzipiell möglich, stellt in solchen Fällen jedoch keine Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung dar, was zu erheblichen finanziellen Mehrbelastungen führen kann.

Mein Tipp: Wer ein Bleaching plant – ob zuhause oder von professioneller Hand – sollte sich vorher von seinem Zahnarzt beraten lassen.

Sind Nebenwirkungen bekannt?

Dr. Schneider: Nicht selten verursacht eine Bleaching-Behandlung vorübergehend hypersensible Zähne. In solchen Fällen sollte die Behandlung unterbrochen werden. Tritt keine Linderung ein, sollte das Bleaching ganz abgebrochen werden. Kommt versehentlich das Zahnfleisch mit dem Bleichmaterial in Kontakt, führt das zu vorübergehenden Zahnfleisch-Irritationen.

Wie lange hält das Ergebnis an?

Dr. Schneider: Das hängt sehr stark von den Ernährungs- und Genussmittelgewohnheiten des Anwenders ab. Erfahrungswerte besagen, dass die Bleichwirkung zwischen sechs und 24 Monaten liegt. Zahnärzte empfehlen, zunächst eine professionelle Chairside-Behandlung in der Zahnarzt-Praxis mit nachfolgenden "Auffrischungen" durch Lacke, Gele oder Strips.

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